Yannick Haan

Yannick Haan

Politik - Digitale Gesellschaft - Internet - Mode

Danke Klaus! (Und warum wir jetzt einen Mitgliederentscheid brauchen)

Diese Stadt verdankt Klaus Wowereit viel. Es gibt wohl kaum einen anderen Politiker der so sehr eine Stadt repräsentiert wie es Klaus Wowereit tut. Er hat es geschafft Berlin von einer Großstadt mit Geschichte zu einer pulsierenden Weltmetropole mit Geschichte zu positionieren. Dabei ist er selber zur eigenen Marke für sich Selbst und für Berlin geworden. Viele Entwicklungen für die Berlin weltweit beneidet wird wären ohne Wowereit nicht möglich gewesen. Unvergessen bleibt natürlich auch das legendäre Outing mit den Worten „Ich bin schwul und das ist auch gut so!“. Mit seiner Persönlichkeit, seinem Wirken und seiner Politik steht Wowereit für ein offenes und buntes Berlin.

Bei allem Positiven bleiben natürlich auch noch einige ungelöste Probleme wie beispielsweise die immer weiter steigenden Mieten und die damit verbundene rasante Gentrifizierung und Verdrängung. (Den BER übersehe ich jetzt einfach mal großzügig)

Ein solcher Rücktritt ist natürlich nicht nur eine Möglichkeit zurück zu schauen sondern auch nach vorne: wer soll nach Wowereit kommen? In welche Richtung soll sich die Stadt entwickeln?

Ich will nicht über Personen spekulieren, das überlasse ich sehr gerne der Presse die das viel besser kann. Viel wichtiger als ein paar Stunden nach dem angekündigten Rücktritt über Personen zu spekulieren ist es, dass der/die Nachfolger/in von der gesamten Berliner SPD in einem Mitgliederentscheid bestimmt wird. Eine solche wichtige und richtungsweisende Entscheidung kann und darf nur von allen Mitgliedern bestimmt werden. Ich bin selber Delegierter des Landesparteitages und ich weiß wie Mehrheiten auf einem solchen Landesparteitag nicht bedeuten Mehrheiten unter den gesamten Mitgliedern zu haben. Wer auch immer Nachfolger/in von Wowereit im Amt werden wird, er/sie braucht die volle Unterstützung der gesamten Berliner SPD. Für mich kann das nur heißen, dass auch die gesamte Berliner SPD über eine solche Entscheidung bestimmen kann. Soweit ich das überblicken kann hat uns der Mitgliederentscheid auf Bundesebene auch nicht gerade geschadet. Wir sollten jetzt einfach mal “mehr Demokratie wagen”. Es ist an der Zeit.

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Fappygate und wie wir miteinander umgehen

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Quelle: https://www.flickr.com/photos/kerstingu/3383707253/, CC BY-NC-SA 2.0

Als ich vor einigen Jahren angefangen habe mich für das Internet zu interessieren da war ich vor allem davon fasziniert, dass jeder mit jedem leicht kommunizieren konnte. Viele klassische Hürden in der Kommunikation wurden durch das Internet abgebaut. Es schien so als ob jetzt nicht nur noch Politiker, Journalisten und Kommentatoren politische Diskussionen führen konnten sondern wir alle. Ich glaubte an die Idee der Vernetzung. Ich sah eine ganz neue politische Zeit voller Möglichkeiten auf uns zukommen. Schaut man sich das Internet heute an dann muss man mehr als ernüchtert sein.

Die letzte Woche war das Internet (oder ein sehr kleiner Teil des Internets) vor allem mit #Fappygate beschäftigt. Dabei ging es vor allem darum wer den Gedanken für einen Artikel bei wem geklaut hat. Am Ende ist das Ganze komplett eskaliert. Es gab Sexismus-Vorwürfe, Drohungen und mehrere Menschen haben aus Angst ihre Social-Media Profile abgeschaltet. Auf welcher Seite des Konfliktes man auch immer steht, eines ist klar: der Streit hat niemand auch nur einen Schritt weiter gebracht. Doch Fappygate ist nur ein Streit von sehr vielen in den letzten Monaten und Jahren. Schon fast legendär sind die unzähligen internen Streitereien der Piratenpartei. Um was es meist in diesen Streits geht ist nur noch selten von Außen erkennbar.

Doch natürlich ist Twitter nicht der Einzige Ort des Streits. Wer sich einmal eine Diskussion unter einem Artikel der großen Nachrichtenportale angeschaut hat bekommt nicht gerade Lust mitzudiskutieren. Meist eskaliert auch hier bereits nach nur wenigen Kommentaren der Streit komplett. Oft muss dann die Redaktion eingreifen und löschen. Ähnlich sieht es in vielen Fällen bei Facebook oder auf Mailinglisten aus. Es gibt wohl nur noch wenige Orte in diesem Internet in dem ein wirklicher Diskurs stattfindet. Und in die dunkelsten Ecken dieses Internets voller Homophobie, Sexismus und Rassismus traue ich mich gar nicht erst rein.

Ob bei Twitter, Facebook, Nachrichtenseiten oder Mailinglisten: der Streit verläuft immer ähnlich. Meist schaukelt sich die Diskussion schon nach kurzer Zeit immer weiter auf. Vom eigentlichen Thema über das einmal ursprünglich diskutiert wurde entfernt sich die Diskussion meist immer weiter. Die Möglichkeit, dass der Andere vielleicht Recht haben könnte, vielleicht einen neuen Blickwinkel in eine Diskussion bringt oder vielleicht aus seiner Sicht gute Argumente hat ist meist nicht im möglichen Repertoire der Diskutanten vorhanden. Und vor allem wird nie eine Lösung oder ein Kompromiss für ein Problem gefunden.

Dass es auch anders geht zeigt das Internet aber auch: es gibt eine kleine ‘Elite’ (wobei das Wort hier wirklich positiv gemeint ist) die es wirklich schafft einen Diskurs zu führen. Diese Menschen schreiben Blogbeiträge, beziehen sich aufeinander, beschimpfen sich nicht und bringen letztendlich sich selber und den Lesern einen Mehrwert. Leider ist das nur eine kleine helle Ecke dieses Internets. Der Rest der Nutzer ist scheinbar still oder will draufhauen, will den eigenen Frust rauslassen. Will Menschen verletzen, meist auf der persönlichen Ebene.

Als Schlimme Konsequenz aus diesem Handeln folgt ein Internet-Mainstream. Wer sich diesem Internet-Mainstream widersetzt verbal niedergeprügelt. Stellen wir uns doch nur mal vor Hannah Arendt hätte ihre Berichtersterstattung zum Eichmann Prozess im Zeitalter der digitalen Medien publiziert. Sie hätte wohl einen nie dagewesenen Shitstorm samt Beleidigungen über sich ergehen lassen müssen. Ein paar Minuten Zeit um zu reflektieren ob nicht auch ein wenig Wahrheit in ihrer Berichterstattung steckt hätten die meisten sich wohl nicht genommen.

Wenn wir so weiter machen verliert das Internet für politische Diskurse jegliche Relevanz. Am Ende bleiben nur noch einige Frustrierte übrig die vor allem Menschen verletzen wollen und niedermachen wollen. Es bleiben nur Menschen übrig die an einem wirklichen Diskurs kein Interesse haben. Wir wären damit gescheitert. Wir hätten damit eindrucksvoll bewiesen, dass es einen Diskurs nur in Parteien und in kleinen Kreisen geben kann.

Das sollte uns nicht passieren. Leider sehe ich aber momentan kaum Hoffnung auf Besserung.

guardian:

United Nations officials described the killing of sleeping children as a disgrace to the world and accused Israel of a serious violation of international law after a school in Gaza being used to shelter Palestinian families was shelled on Wednesday.
• Full story here

guardian:

United Nations officials described the killing of sleeping children as a disgrace to the world and accused Israel of a serious violation of international law after a school in Gaza being used to shelter Palestinian families was shelled on Wednesday.

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Führt E-Partizipation im Stadtentwicklungsbereich wirklich zu mehr Partizipation?

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In der politischen und gesellschaftlichen Debatte im Stadtentwicklungsbereich wird immer öfter nach Partizipation und vor allem auch nach E-Partizipation verlangt. Die Hoffnung der so genannten E-Partizipation besteht darin, die Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt in die Politik mit einzubeziehen. Die Bewohner sollen selber entscheiden wie die Stadt der Zukunft gestaltet wird. Das Internet bietet mit seiner einfachen Handhabung sowie einer orts- und zeitunabhängigen Mitarbeit dabei ganz neue Möglichkeiten. Das was vielleicht auf den ersten Blick nach einem großen demokratischen Fortschritt aussieht, birgt natürlich auch Gefahren und Hürden. Werden nicht auch durch die E-Partizipation, wie auch bei der klassischen Partizipation, viele Menschen ausgeschlossen? Sind wir dank der Digitalisierung wirklich auf dem Weg in eine „neue“ partizipative Stadt an der jeder teilnehmen kann? Oder sind wir in Wahrheit auf dem Weg in eine Stadt in der dank, der Online-Partizipation sehr Wenige für sehr viele Entscheidungen treffen?

Hier die gesamte Arbeit

Spoiler für alle die nicht die gesamte Arbeit lesen wollen:

 Die E-Partizipation weist sehr viele Hürden auf. In den meisten untersuchten Fällen hat die E-Partizipation nicht zu mehr sondern zu weniger Partizipation geführt. Gerade die soziale Komponente spielt bei der E-Partizipation eine wesentliche Rolle. Allerdings gibt es auch Beispiele bei denen die E-Partizipation wirklich zu einer sehr breiten Partizipation geführt hat.

 Am Ende gebe ich dann noch Handlungsanweisungen für zukünftige E-Partizipation:

 1. E-Partizipation ist kein Selbstzweck. Ziel des Einsatzes der Online-Beteiligung im Stadtentwicklungsbereich soll es sein möglichst viele Menschen in den Beteiligungsprozess einzubeziehen. Besonders im Stadtentwicklungsbereich hat man durch den Einsatz von Online-Medien die Möglichkeit die Menschen die direkt von Entscheidungen betroffen sind einzubeziehen. Doch viele Zielgruppen kann man durch E-Partizipation entweder kaum erreichen oder es ist sehr schwierig eine aktive Teilnahme der Betroffenen an einem Online-Prozess zu organisieren. Von daher ist es wichtig sich vor jedem Prozess zu überlegen ob die definierte Zielgruppe überhaupt über einen Online-Prozess zu erreichen ist.

 2. Entscheidend für den Erfolg oder Misserfolg einer E-Partizipation ist der Zeitpunkt des Verfahrens. Oft kann man bei Verfahren beobachten, dass die E-Partizipation erst dann eingesetzt wird wenn bereits eine politische Vorentscheidung getroffen wurde oder bereits ein gesellschaftlicher Konflikt besteht. Dies konnte man beispielsweise beim Bau von Stuttgart 21 beobachten aber auch bei den beiden untersuchten Fallbeispielen Tempelhofer Feld und Gleisdreieck. Ein bereits bestehender Konflikt stellt wiederum eine sehr hohe Hürde der Partizipation dar. Oft haben sich schon Gruppierungen gefunden die ein Vorhaben verhindern oder unterstützen wollen. Die E-Partizipation dagegen muss so früh wie möglich einsetzen.

 3. Ein großes Problem vieler Online-Beteiligungen, gerade im Stadtentwicklungsbereich, besteht darin, dass die Politik und die Verwaltung keine Sprache finden die Bürgerinnen und Bürger verstehen. Der urbane Raum ist oft von einer demographisch sehr heterogenen Einwohnerschaft geprägt. Gerade für Menschen die bislang wenig Kontakt mit politischen Prozessen hatten ist es daher wichtig eine angemessene Sprache zu finden. Hier ist es wichtig, dass der Moderator des Prozesses eine vermittelnde Rolle einnimmt und „Übersetzungsarbeit“ für die jeweiligen Seiten übernimmt.

 4. Wie bereits im theoretischen Teil der Arbeit festgehalten wurde, ist es von entscheidender Bedeutung ein Partizipationsverfahren mit wahrer Entscheidungsmacht auszustatten. Dies gilt natürlich genauso für ein Online Partizipationsverfahren.

 5. Beteiligung braucht, gerade wenn sie online stattfindet, geschützte Räume. Es ist wichtig, dass innerhalb von Partizipationsverfahren die Möglichkeit offener Dialoge besteht. Dies gilt für Online-Partizipationsverfahren noch mehr als bei klassischer Partizipation im Stadtentwicklungsbereich.

 6. Viele Partizipationsverfahren nutzen für den Prozess gesonderte Plattformen bei denen sich die Nutzerinnen und Nutzer erst anmelden müssen. In den untersuchten Fallbeispielen hat sich dieser Schritt für viele Nutzerinnen und Nutzer als große Hürde herausgestellt. Die Situation stellt sich anders dar wenn man auf Plattformen zurückgreift die bereits von einem Großteil der Zielgruppe benutzt wird. Dies hat den Vorteil, dass die Menschen im bereits gewohnten Umfeld agieren können, der Prozess automatisch in den Alltag integriert wird und sie sich nicht neu registrieren müssen.

 7. Die Erfahrungen der Theorie sowie der untersuchten Fallbeispiele haben gezeigt, dass es für einen Prozess unerlässlich ist die Online und die Offline Aktivitäten sinnvoll miteinander zu verknüpfen. Es ist zudem sinnvoll, falls dies möglich ist, die Abstimmungen und die letztendliche Entscheidung nicht über das Internet stattfinden zu lassen.

thisisjanewayne:

Eine der Besten 👏👏👏 #perretschaad #mbfwb (hier: Kronprinzenpalais Berlin Unter den Linden)

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Eine der Besten 👏👏👏 #perretschaad #mbfwb (hier: Kronprinzenpalais Berlin Unter den Linden)

voguedeutschland:

Finale bei @vladimirkaraleev: Tolles Setting, gute Kollektion und smartes Styling #mbfwb (hier: Kronprinzenpalais)

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Finale bei @vladimirkaraleev: Tolles Setting, gute Kollektion und smartes Styling #mbfwb (hier: Kronprinzenpalais)

casperodj:

Ganz geil! #mbfwb #mhss15 (bij Fashion Week Berlin)

casperodj:

Ganz geil! #mbfwb #mhss15 (bij Fashion Week Berlin)

l-homme-que-je-suis:

Julian Zigerli Spring/Summer 2015 | Mercedes Benz Fashion Week Berlin

l-homme-que-je-suis:

Julian Zigerli Spring/Summer 2015 | Mercedes Benz Fashion Week Berlin

Meine Probleme mit Campact

Eigentlich muss man Campact gratulieren. Sie haben es geschafft innerhalb von nur wenigen Jahren zu einer der wohl einflussreichsten NGO’s Deutschlands zu werden. Und das ohne großen Geldgeber. Ohne Millionen Mitglieder. Und mit nur sehr wenigen Angestellten. Die Macht dieser kleinen NGO ging so weit, dass sich der deutsche Vizekanzler und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel sofort gezwungen sah öffentlich auf seiner Facebook Seite zu reagieren als Campact sein Handling in der Energiewende anprangerte. Das gibt einem ein Gefühl für die wirkliche politische Macht dieser NGO.

Doch wie hat es Campact geschafft so mächtig zu werden?

Wie ich bereits erwähnt habe muss man Campact zu ihrem Erfolg gratulieren. Sie haben es, im Gegensatz zu vielen größeren NGOs geschafft die Möglichkeiten des Internets für ihre Zwecke zu nutzen. Der Erfolg der Online-Aktivitäten von Campact beruht dabei nicht auf der tollen Website oder auf den tollen Social-Media Aktivitäten sondern vor allem auf der Nutzung der E-Mail. Während die meisten NGOs und auch natürlich Parteien und Politiker vor allem Newsletter verschicken die am Ende kaum jemand liest, versucht Campact seine Unterstützer immer zu einer Handlung aufzufordern. Ähnlich wie Obama wird erst einmal getestet welche E-Mails gut funktionieren, also geöffnet werden und bei welcher die Menschen weiter klicken. Dabei funktionieren vor allem die E-Mails gut die sehr alarmistisch, laut und bedrohlich sind. So wird man aufgefordert die Agrarindustrie zu umzingeln, die Mega-Ställe zu stoppen oder man soll das Bienensterben stoppen. Mit diesen E-Mails erreicht Campact mittlerweile 1.398.358. Von einer solchen Reichweite träumt jede Partei.

Eine weitere Gemeinsamkeit der E-Mails ist, dass immer zu einer weiteren Aktion aufgefordert wird. Campact will nicht nur, wie das klassischerweise NGOs machen, Informationen weitergeben sondern will vor allem, dass die Menschen weiter aktiv werden. Entweder sie sollen demonstrieren gehen, sie sollen ihre Abgeordneten anschreiben oder vor allem sollen sie Petitionen unterzeichnen. Mit diesen Petitionen wandert Campact dann wiederum zu den Politikern.

Nun ist es so, dass Campact bei vielen politischen Initiativen für die ich auch gekämpft habe sehr nützlich war. So war es unter anderem auch Campact zu verdanken, dass so viele gegen das Handelsabkommen ACTA auf die Straßen gegangen sind. Es ist Campact zu verdanken, dass immer noch viele Menschen über den NSA Skandal reden. Es ist Campact zu verdanken, dass eine Debatte über TTIP ausgebrochen ist. Alles Debatten für die ich sehr dankbar war und bin.

Und trotz alledem sehe ich Campact mittlerweile sehr kritisch.

Das Schrille, das Laute, die sehr starke Schwarz-Weiß Darstellung führt zwar zu einer kurzfristigen sehr hohen Reichweite. Es kann auch mal eine einzelne politische Entscheidungen verändern, doch längerfristig bringt es vor allem eins: Politikverdrossenheit. Campact sucht nie den Kompromiss, Campact versucht nicht sich konstruktiv in eine politische Debatte einzubringen sondern versucht vor allem Dinge zu verhindern. Dass die Welt am Ende doch vielleicht ein wenig komplexer ist als Campact es meist darstellt interessiert dann am Ende niemanden. Man stelle sich nur mal vor eine Initiative gegen Ausländer würde diese Methoden einsetzen. Fänden wir das dann auch noch so toll?

Vor kurzem gab es eine Kampagne von Campact bei der verhindert werden sollte, dass Sigmar Gabriel während der WM Fracking in Deutschland erlaubt. Nun ist es so, dass es diesen Plan nie gab. Momentan ist Fracking in Deutschland erlaubt, die Regierung plant diese Regelung zu verschärfen. Nun kann man natürlich darüber diskutieren ob diese Regelungen weit genug gehen. Auch vor der Sommerpause wird es nicht einmal einen Kabinettsbeschluss geben. Geschweige denn ein Votum im Bundestag. Trotz alledem haben 500.000 Menschen die Petition unterschrieben. Bis heute hat sich Campact von dieser Kampagne nicht distanziert, nichts richtig gestellt.

Ein zweites großes Problem das ich mit Campact habe besteht darin, dass die NGO die Illusion einer wirklichen politischen Beteiligung vorgaukelt. Es wird so getan als ob man jedes Problem durch einen Klick und vor allem dem Unterschreiben einer privaten Petition verändern könnte. Wie schnell die Menschen eine solche Petition unterstützen, erkennt man spätestens wenn 500.000 Menschen eine Petition unterschreiben für ein Problem das nicht existiert. 500.000 Menschen die, bevor sie die Petition unterschrieben haben anscheinend nicht nach weiteren Informationsquellen gesucht haben. Und wohl auch 500.000 Menschen die dachten mit einem Klick ihre demokratische Schuldigkeit abgeleistet zu haben. 

Eine solche Struktur ist vielleicht gut um einen kurzen und lauten Aufschrei zu erzeugen. Mehr aber leider auch nicht. Campact ist nicht daran interessiert politische Konzepte zu erarbeiten die über einen kurzen Aufschrei hinausgehen. Campact ist nicht daran interessiert zu experimentieren wie man wirkliche politische Partizipation und Beteiligung verwirklichen kann.

Ein weiterer wichtiger Punkt den man beachten muss ist, dass Campact natürlich, wie jede andere NGO auch, auf Spenden angewiesen ist. Die Entscheidung über Kampagnen fallen dabei vor allem danach (so zu Mindest der Eindruck von außen) wie groß der mögliche Aufschrei ist, danach wie plakativ man das Versagen der Politik darstellen kann.

Was wir wirklich brauchen ist keine NGO die laut ist, nicht nachhaltig und am Ende vor allem die Politikverdrossenheit fördert. Was wir brauchen sind NGO’s die die Möglichkeiten des Internets verstanden haben und daran interessiert sind wirklich einen konstruktiven Einfluss auf die Politik auszuüben. Wir brauchen NGO’s die nicht nur daran interessiert sind eine politischen Partizipation vorzutäuschen sondern die diese wirklich versuchen umzusetzen. Und wir brauchen NGO’s die wirklich nachhaltig arbeiten.

Aber vielleicht bin ich auch nur einfach sehr naiv.