Yannick Haan

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Politik - Digitale Gesellschaft - Internet - Mode
thisisjanewayne:

Eine der Besten 👏👏👏 #perretschaad #mbfwb (hier: Kronprinzenpalais Berlin Unter den Linden)

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Eine der Besten 👏👏👏 #perretschaad #mbfwb (hier: Kronprinzenpalais Berlin Unter den Linden)

voguedeutschland:

Finale bei @vladimirkaraleev: Tolles Setting, gute Kollektion und smartes Styling #mbfwb (hier: Kronprinzenpalais)

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casperodj:

Ganz geil! #mbfwb #mhss15 (bij Fashion Week Berlin)

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l-homme-que-je-suis:

Julian Zigerli Spring/Summer 2015 | Mercedes Benz Fashion Week Berlin

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Julian Zigerli Spring/Summer 2015 | Mercedes Benz Fashion Week Berlin

Meine Probleme mit Campact

Eigentlich muss man Campact gratulieren. Sie haben es geschafft innerhalb von nur wenigen Jahren zu einer der wohl einflussreichsten NGO’s Deutschlands zu werden. Und das ohne großen Geldgeber. Ohne Millionen Mitglieder. Und mit nur sehr wenigen Angestellten. Die Macht dieser kleinen NGO ging so weit, dass sich der deutsche Vizekanzler und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel sofort gezwungen sah öffentlich auf seiner Facebook Seite zu reagieren als Campact sein Handling in der Energiewende anprangerte. Das gibt einem ein Gefühl für die wirkliche politische Macht dieser NGO.

Doch wie hat es Campact geschafft so mächtig zu werden?

Wie ich bereits erwähnt habe muss man Campact zu ihrem Erfolg gratulieren. Sie haben es, im Gegensatz zu vielen größeren NGOs geschafft die Möglichkeiten des Internets für ihre Zwecke zu nutzen. Der Erfolg der Online-Aktivitäten von Campact beruht dabei nicht auf der tollen Website oder auf den tollen Social-Media Aktivitäten sondern vor allem auf der Nutzung der E-Mail. Während die meisten NGOs und auch natürlich Parteien und Politiker vor allem Newsletter verschicken die am Ende kaum jemand liest, versucht Campact seine Unterstützer immer zu einer Handlung aufzufordern. Ähnlich wie Obama wird erst einmal getestet welche E-Mails gut funktionieren, also geöffnet werden und bei welcher die Menschen weiter klicken. Dabei funktionieren vor allem die E-Mails gut die sehr alarmistisch, laut und bedrohlich sind. So wird man aufgefordert die Agrarindustrie zu umzingeln, die Mega-Ställe zu stoppen oder man soll das Bienensterben stoppen. Mit diesen E-Mails erreicht Campact mittlerweile 1.398.358. Von einer solchen Reichweite träumt jede Partei.

Eine weitere Gemeinsamkeit der E-Mails ist, dass immer zu einer weiteren Aktion aufgefordert wird. Campact will nicht nur, wie das klassischerweise NGOs machen, Informationen weitergeben sondern will vor allem, dass die Menschen weiter aktiv werden. Entweder sie sollen demonstrieren gehen, sie sollen ihre Abgeordneten anschreiben oder vor allem sollen sie Petitionen unterzeichnen. Mit diesen Petitionen wandert Campact dann wiederum zu den Politikern.

Nun ist es so, dass Campact bei vielen politischen Initiativen für die ich auch gekämpft habe sehr nützlich war. So war es unter anderem auch Campact zu verdanken, dass so viele gegen das Handelsabkommen ACTA auf die Straßen gegangen sind. Es ist Campact zu verdanken, dass immer noch viele Menschen über den NSA Skandal reden. Es ist Campact zu verdanken, dass eine Debatte über TTIP ausgebrochen ist. Alles Debatten für die ich sehr dankbar war und bin.

Und trotz alledem sehe ich Campact mittlerweile sehr kritisch.

Das Schrille, das Laute, die sehr starke Schwarz-Weiß Darstellung führt zwar zu einer kurzfristigen sehr hohen Reichweite. Es kann auch mal eine einzelne politische Entscheidungen verändern, doch längerfristig bringt es vor allem eins: Politikverdrossenheit. Campact sucht nie den Kompromiss, Campact versucht nicht sich konstruktiv in eine politische Debatte einzubringen sondern versucht vor allem Dinge zu verhindern. Dass die Welt am Ende doch vielleicht ein wenig komplexer ist als Campact es meist darstellt interessiert dann am Ende niemanden. Man stelle sich nur mal vor eine Initiative gegen Ausländer würde diese Methoden einsetzen. Fänden wir das dann auch noch so toll?

Vor kurzem gab es eine Kampagne von Campact bei der verhindert werden sollte, dass Sigmar Gabriel während der WM Fracking in Deutschland erlaubt. Nun ist es so, dass es diesen Plan nie gab. Momentan ist Fracking in Deutschland erlaubt, die Regierung plant diese Regelung zu verschärfen. Nun kann man natürlich darüber diskutieren ob diese Regelungen weit genug gehen. Auch vor der Sommerpause wird es nicht einmal einen Kabinettsbeschluss geben. Geschweige denn ein Votum im Bundestag. Trotz alledem haben 500.000 Menschen die Petition unterschrieben. Bis heute hat sich Campact von dieser Kampagne nicht distanziert, nichts richtig gestellt.

Ein zweites großes Problem das ich mit Campact habe besteht darin, dass die NGO die Illusion einer wirklichen politischen Beteiligung vorgaukelt. Es wird so getan als ob man jedes Problem durch einen Klick und vor allem dem Unterschreiben einer privaten Petition verändern könnte. Wie schnell die Menschen eine solche Petition unterstützen, erkennt man spätestens wenn 500.000 Menschen eine Petition unterschreiben für ein Problem das nicht existiert. 500.000 Menschen die, bevor sie die Petition unterschrieben haben anscheinend nicht nach weiteren Informationsquellen gesucht haben. Und wohl auch 500.000 Menschen die dachten mit einem Klick ihre demokratische Schuldigkeit abgeleistet zu haben. 

Eine solche Struktur ist vielleicht gut um einen kurzen und lauten Aufschrei zu erzeugen. Mehr aber leider auch nicht. Campact ist nicht daran interessiert politische Konzepte zu erarbeiten die über einen kurzen Aufschrei hinausgehen. Campact ist nicht daran interessiert zu experimentieren wie man wirkliche politische Partizipation und Beteiligung verwirklichen kann.

Ein weiterer wichtiger Punkt den man beachten muss ist, dass Campact natürlich, wie jede andere NGO auch, auf Spenden angewiesen ist. Die Entscheidung über Kampagnen fallen dabei vor allem danach (so zu Mindest der Eindruck von außen) wie groß der mögliche Aufschrei ist, danach wie plakativ man das Versagen der Politik darstellen kann.

Was wir wirklich brauchen ist keine NGO die laut ist, nicht nachhaltig und am Ende vor allem die Politikverdrossenheit fördert. Was wir brauchen sind NGO’s die die Möglichkeiten des Internets verstanden haben und daran interessiert sind wirklich einen konstruktiven Einfluss auf die Politik auszuüben. Wir brauchen NGO’s die nicht nur daran interessiert sind eine politischen Partizipation vorzutäuschen sondern die diese wirklich versuchen umzusetzen. Und wir brauchen NGO’s die wirklich nachhaltig arbeiten.

Aber vielleicht bin ich auch nur einfach sehr naiv.

Meine Lehren aus der Abstimmung über das Tempelhofer Feld:

von Britta79 (Eigenes Werk) [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Gestern gab es neben der Europawahl in Berlin auch eine Abstimmung darüber was mit dem Tempelhofer Feld passieren soll. Auf der einen Seite stand die Initiative 100 Prozent Tempelhofer Feld. Diese Initiative hat sich dafür eingesetzt, dass das Feld in keiner Weise bebaut oder verändert werden darf. Aus der anderen Seite wurde über ein Vorschlag des Senats abgestimmt der eine Randbebauung vorsieht. Am Ende konnte sich die 100 % Tempelhofer Feld Initiative durchsetzen. Aus der Abstimmung kann man viele Lehren ziehen:

  1. Die Menschen in der Stadt sind wie an kaum einem anderen Ort vernetzt. Die aktuelle Stadtentwicklungspolitik hat darauf bislang in keiner Weise reagiert. Immer noch bestehen die Konzepte aus Stadtteilvertretungen und Bürgerversammlungen. Falls mal ein Schritt zu Online-Partizipation gewagt wird hält man an alten Konzepten fest. Wir brauchen dringend neue Ideen und Konzepte für Stadtentwicklung im 21. Jahrhundert!

  2. Durch die vernetzte Stadt können Grass-Groots Organisationen wie die 100% Tempelhof Initiative oft besser funktionieren als Kampagnen vom Senat (obwohl die deutlich mehr Geld hatte). Auch große Vereine, der Sportbund oder Wohnungsbaugesellschaften können die vernetze Gesellschaft kaum ansprechen. Zukünftig werden vor allem Kampagnen erfolgreich sein die die Vernetzung verstanden haben und diese gezielt nutzen.

  3. Trotz des Volksentscheides, trotz der Europawahl, also obwohl sehr viel zu entscheiden war ist die Mehrheit der Berliner zu Hause geblieben. Auch wenn die Wahlbeteiligung nach oben gegangen ist, kann man sich über eine Wahlbeteiligung unter 50 Prozent in keiner Weise freuen. Und das obwohl so viel zu entscheiden war auf sehr unterschiedlichen Ebenen.

  4. Die politischen Parteien haben es allesamt nicht geschafft eine ordentliche Debatte über die Zukunft des Tempelhofer Feldes zu führen. Im Kern geht im Streit um die Frage ob man auf Lebensqualität in der Stadt setzt oder auf nicht so stark steigende Mieten. Ich finde bei Seiten haben gute Argumente. Anstatt diese auszutauschen gingen beide Seiten unfair miteinander um. Die eine Seite bestand nur aus Egoisten die nur an sich denken und die andere Seite bestand nur aus Zubetonieret die Penthäuser bauen wollen. Das Feld hat eigentlich eine bessere Debatte verdient.

  5. Das aktuelle Wahlrecht schließt einen Großteil der Berliner und vor allem der Kreuzberger Bevölkerung aus. Es durfte nur mitstimmen wer Deutscher ist (Auch ich durfte nicht mitstimmen. Ich könnte dafür aber Bezirksbürgermeister werden). In meiner Beobachtung benutzen aber auch Ausländer das Feld. Wir brauchen hier dringend ein anderes Wahlrecht.

Für die Eurowahlgang habe ich einige Hangouts mit Kandidat/innen zum Europäischen Parlament moderiert und begleitet. Gestern habe ich mit Birgit Sippel über Datenschutz in Europa gesprochen

Support your local Netzpolitiker

Die diesjährige Re:publica war deutlich politischer als alle Ausgaben zuvor. Durch die Enthüllungen von Edward Snowden ist der Community die Unschuld genommen worden. Wurde zuvor vor allem darüber diskutiert wie man die Freiheit des Internets bewahren kann ging es in diesem Jahr in vielerlei Hinsicht darum wie man verhindern kann, dass das Internet zu einer Totalüberwachung führt. Eine neue Technologie hat nun eben immer zwei Seiten. Eigentlich hätten wir diese Debatte schon viel früher führen müssen.

Eine zweite Erkenntnis der Konferenz war es wohl, dass es uns bislang nicht gelungen ist einen wirklichen Einfluss auf die Politik zu gewinnen. Der NSA-Skandal wird von vielen Politikerinnen und Politikern einfach vertuscht, andere flüchten in Gemeinplätze. Sascha Lobo führte dies unter anderem darauf zurück, dass die wenigen netzpolitischen Vereine kaum finanzielle Unterstützung erhalten.

Die Gründe warum wir politisch bislang wenig erreicht haben sind meiner Meinung viel größer als allein eine fehlende finanzielle Ausstattung einiger Vereine.

Wenn man sich anschaut wer sich für Netzpolitik einsetzt dann trifft man oft auf den Begriff der Netzgemeinde. Dieser Begriff ist so umstritten wie undefiniert. Sind damit alle Internetnutzer gemeint? Sind dabei Menschen gemeint die diese unzähligen Online-Petitionen unterschreiben? Oder sind damit Menschen gemeint die regelmäßig in der C-Base in Berlin abhängen?

Wenn man sich mal von diesem sinnlosen Begriff verabschiedet und versucht zu ergründen wer sich netzpolitisch engagiert so stellt man schnell fest, dass es in diesem politischen Bereich nur sehr wenige Ansprechpartner gibt. Es gibt nur wenige Menschen die sich regelmäßig zu Wort melden und dabei auch noch Gehör finden. In anderen Politikfeldern ist das meiner Beobachtung nach anders. Doch diese Schwäche ist auch eine große Stärke: nämlich eine hohe Beweglichkeit. In keinem anderen Politikfeld lassen sich so schnell Menschen für spontanen Aktivismus bewegen. Dabei sind wir recht unabhängig von den klassischen Medien und können die Politik innerhalb von nur wenigen Tagen unter ungeheurer Druck setzen. Zuletzt konnte man dies bei ACTA beobachten.

Doch obwohl sich sehr viele Menschen für dieses Internet und diese Netzpolitik potentiell interessieren gelingt es uns kaum diese anzusprechen, zu informieren und zu Handlungen zu bewegen. Wir scheitern meist schon daran Informationen zu den Menschen zu bringen. Und das obwohl wir das ja eigentlich drauf haben sollten. Doch leider agieren wir gerade in diesem Bereich kurzsichtig. Für viele von uns ist Twitter das Zentrum der Kommunikation. Doch Twitter ist ein tolles und vor allem elitäres Kommunikationsmedium. Keiner meiner Freunde ist auf Twitter. Keiner in meiner Familie ist auf Twitter. Das vergessen wir all zu oft. Die Möglichkeiten der guten alten E-Mail vergessen wir gleich komplett und Facebook lehnen wir aus Datenschutzgründen ab. Am Ende reden wir also vor allem mit uns selber und sind, das muss man ganz klar so feststellen, nur bedingt kampagnenfähig.

Ein zweites Problem der Netzpolitik besteht vor allem darin, dass wir es kaum schaffen neue Menschen für dieses Politikfeld zu begeistern. Die die Netzpolitik in den Medien, auf Konferenzen und in ihren Blogs erklären dürfen sind meist männlich und waren meist von Anfang an dabei. Anstatt gezielt neue Leute anzusprechen versuchen wir oft durch Habitus, Begriffe und durch Kommunikation Menschen auszuschließen. Wir haben viele Menschen die sich potentiell für Netzpolitik interessieren, wir haben die Tools und wir haben ein Politikfeld das immer wichtiger wird. Alle anderen würden sich über eine solche Ausgangslage freuen. Nur wir machen herzlich wenig daraus. Als Konsequenz daraus dürfen vor allem Sigmar Gabriel, Frank Schirrmacher, Gerhard Baum und Mathias Döpfner Netzpolitik erklären. Das sollte uns doch eigentlich zu denken geben.

Doch während es im Bereich Aktivismus wenigstens noch einige positive Aspekte gibt muss man den direkten politischen Bereich noch kritischer betrachten. Auch nach vielen Jahren gibt es nur wenige Vereine die sich direkt um Netzpolitik kümmern. Diese sind chronisch unterfinanziert und müssen vor allem ehrenamtlich arbeiten. Diese stehen großen Verbänden und Unternehmen mit vielen Hauptamtlichen gegenüber. So kann man einen politischen Kampf kaum gewinnen.

Noch düsterer sieht die Lage innerhalb der Parteien aus. Kaum jemand hat mehr Lust sich in diesen zu engagieren, zu Sitzungen zu gehen, sich mit Innenpolitikern rumzuschlagen. Das kostet Kraft, viel Zeit und viele Nerven. Als Netzpolitiker innerhalb der SPD kann ich fast täglich davon berichten. Für viele sind Parteien eigentlich nur Institutionen der Vergangenheit die sie am liebsten abgeschafft hätten. Leider hilft das netzpolitisch auch nicht gerade.

Ich kann ja gut verstehen, dass man kritisch auf Parteien schaut. Ich kann gut verstehen warum heute immer weniger Menschen in Parteien eintreten. Die Arbeit ist mühsam, oft langweilig. Oft hat man das Gefühl, dass man einen Schritt nach vorne und zwei nach hinten geht. Hat man erst einmal den Stempel als Parteimitglied schauen einen viele mit anderen Augen an. Am Ende ist man für alles verantwortlich was die eigene Partei macht.

Obwohl ich nachvollziehen kann, dass viele sich Parteien nicht antun wollen so kann ich den Umgang mit Netzpolitikern in Parteien nicht verstehen. Anstatt diese aufzubauen, gezielt zu unterstützen und auch zu nutzen geht es vielen vor allem darum diese Menschen zu beschimpfen. Auch ich durfte schon einige Shitstorms über mich ergehen lassen. Einer beispielsweise weil ich bei der Freiheit statt Angst Demo mitlaufen wollte. Menschen die sich schon seit Jahren netzpolitisch in Verräterparteien engagieren, sollten nicht mitlaufen dürfen, so die einhellige Meinung.

Sehr anschaulich wird die Lage wenn sich die Diskussion um die Vorratsdatenspeicherung innerhalb der SPD anschaut. Seit vielen Jahren wird über dieses Thema innerparteilich sehr kontrovers gestritten. Auf der einen Seite stehen die Innenpolitiker und die Sicherheitsbehörden die die Einführung fordern. Auf der anderen Seite die Netzpolitiker und die sogenannte Netzgemeinde die die Einführung dieser verhindern wollen. Während die Innenpolitiker von den Sicherheitsbehörden jede mögliche Unterstützung für den politischen Kampf erhalten werden die Netzpolitiker von der so genannten Netzgemeinde vor allem beschimpft. Von Unterstützung ist da keine Spur. Wenn der Parteitag knapp für die Einführung der Vorratsdatenspeicherung stimmt, schimpft man natürlich über die Netzpolitiker die diese Einführung ja eigentlich verhindern wollten. Von Allianzen mit Menschen die eigentlich das gleiche Ziel haben ist da wenig bis gar nichts zu spüren. Während man von Lobbyisten zu netten Veranstatlungen mit Schnittchen und Getränken eingeladen wird, wird man von der so genannten Netzgemeinde vor allem beschimpft. So gewinnt man keine politischen Kämpfe.

Wenn wir wirklich politischen Erfolg haben wollen dann müssen wir endlich verstehen wie Politik funktioniert. Eigentlich haben so viele tolle Vorraussetzungen um die uns so viele Menschen beneiden. Am Ende werden wir, meiner Meinung nach, nur erfolgreich sein wenn wir drei Wege parallel gehen:

Wir müssen endlich kampagnenfähig werden. Wir müssen lernen wie wir Menschen erreichen, wie wir ihnen Sachverhalte erklären und sie zum mitmachen bewegen. Wir haben hier ein riesengroßes Potential das wir bislang noch nicht ansatzweise gehoben haben. Über diesen Kanal können wir potentiell schnell reagieren und einen sehr großen Druck auf die Politik aufbauen. Doch dafür müssen wir endlich unser kleines Schneckenhäuschen verlassen.

Wir müssen endlich lernen, dass wir neben dem Aktivismus auch Menschen brauchen die professionellen Lobbyismus für uns betreiben. Nur Hauptamtliche haben ausreichend Zeit, Beharrlichkeit und Mittel Politikern Sachverhalte darzustellen, Hintergrundgespräche zu führen und Papiere zu schreiben. Anstatt jeden Ansatz einer Professionalisierung in diesem Bereich zurück zu drängen sollten wir diesen endlich forcieren. Zeit wird es.

Wenn schon die meisten von uns keine Lust auf Parteiarbeit haben dann sollten wir wenigstens Menschen die dies für uns tun mit allen Mitteln unterstützen. Ob man dies nun gut findet oder nicht, Parteien sind immer noch ein wichtiger Bestandteil unseres demokratischen Systems. Wenn wir das nicht verstehen wollen, Unternehmen und andere Verbände haben dies längst getan. 

Du denkst Europa wäre weit weg? Die Eurowahlgang zeigt welche Rolle Europa im Alltag spielt.

Europa muss endlich Heimat werden

Copyright: Julian Turner (CC BY-NC 2.0)

Die Europäische Union ist in einem desolaten Zustand. Der Rückhalt innerhalb der Bevölkerung ist auf einem historischen Tiefstand. Der Vertrag von Lissabon, der neue EU-Ratspräsident und die neue EU-Außenbeauftragte konnten die Krise der europäischen Institutionen nicht verhindern oder lindern. Und zusehends drängen rechtspopulistische und rechtsextreme Parteien auf die europäische Bühne.

In vielen europäischen Ländern können wir seit Jahren und verstärkt in den letzten Monaten ein Erstarken von rechtspopulistischen Parteien sehen. In Frankreich konnte Marine Le Pen mit ihrem Front National einen Wahlsieg erringen. In Österreich hat die FPÖ mehr als 20 Prozent der Stimmen erhalten. In Ungarn wurde gerade Victor Orban und seine Fidesz Partei klar wiedergewählt. In Großbritannien sehen Umfragen die rechtspopulistische Partei UK Independance Party mit rund 31 Pozent vorne. Und auch in Deutschland schickt sich erstmals eine Partei rechts von der CDU an den Sprung in das Europaparlament zu schaffen.

Die Reaktionen der etablierten Parteien sind dabei ganz unterschiedlich. Die einen versuchen in eine ähnliche Kerbe zu schlagen und damit den rechtspopulistischen Parteien die Wähler abzuringen. Andere versuchen sie politisch zu bekämpfen. Die SPD plädiert in einem Strategiepapier wiederum für eine klare Sprache, man solle nicht auf jede Provokation reagieren und man solle sich der Debatte stellen. Welche Strategie am Ende auch immer erfolgreich sein wird, sie bekämpft nur die Symptome nicht aber die Ursachen für das Aufkommen rechtspopulistischer Parteien.

Nun ist es nicht so, dass nur unverbesserliche  Rassisten solche Parteien wählen. Es ist nun auch nicht so, dass nur bildungsferne Schichten solche Parteien wählen. In vielen europäischen Ländern sind solche Parteien längst in der Gesamtgesellschaft hoffähig geworden. Wenn man diese Parteien politisch wirklich bekämpfen will dann muss man sich zu allererst anschauen warum Menschen diese Parteien wählen. Wie konnte es soweit kommen, dass in einem der Gründungsstaaten der EU, Frankreich, mehr als Zwanzig Prozent der Wähler eine rechtspopulistische und antieuropäische Partei wählen?

Wenn man diesem Phänomen wirklich auf den Grund gehen will dann muss man meiner Meinung nach wieder einen längst verschmähten Begriff aus der Mottenkiste hervorkramen: den der Heimat. Nun ist es so, dass die Heimat, gerade in Deutschland, ein recht schwieriger Begriff ist. So gibt es die Heimatvertriebenen, die Heimatkultur, die Heimatfront oder den Heimaturlaub. Mit dem Begriff schwingt oft etwas Vergangenes, etwas Nationales oder etwas Anrüchiges mit. Doch trotz dieser schwierigen Vergangenheit ist der Begriff der Heimat zu wichtig um ihn einfach fallen zu lassen.

Heimat definiere ich dabei nicht als geographischen Raum sondern als ein Gefühl, als einen Ort der Geborgenheit, des Dazugehörens. So kann Heimat ein Gefühl sein, es kann der Fußballverein sein, es kann eine Diskothek sein oder es kann ein Freundeskreis sein.

Viele Menschen kennen eine solche Heimat nicht mehr. Dabei brauchen wir sie alle egal ob in der Großstadt oder auf dem Dorf egal ob alt oder jung. Wir brauchen ein Gefühl des Dazugehörens. Doch immer mehr Menschen fehlt dieses Gefühl der Heimat. Sie fühlen in sich eine große Verunsicherung.

Diese Verunsicherung hat viele Ursachen: auf der einen Seite greift die Ökonomisierung und die Globalisierung der Gesellschaft diese Heimat an. Hinzu kommt eine digitale Revolution die mittlerweile die gesamte Bevölkerung erfasst hat. Die wichtige Frage die sich nun daraus stellt lautet: kann Europa eine Heimat sein?

Zu erst einmal muss man feststellen, dass die EU die Heimat angreift und kaum neue Heimat anbietet. Trotz aller Weltoffenheit und Globalisierung verbinden viele den eigenen Nationalstaat noch mit Heimat. Dabei geht es den wenigsten wirklich um den Staat sondern vielmehr um Sprache, das sonntägliche Tatort schauen oder die kollektive Erinnerung an Ereignisse. Die EU mit ihren Bestrebungen der Vereinheitlichung greift zu allererst einmal diese Heimat an.

Doch die EU greift nicht nur die nationale Heimat an sondern sie steht auch für viele Gründe warum sich diese „Heimatlosigkeit“ und damit auch die große Verunsicherung in weiten Teilen der Bevölkerung so verbreiten konnte. Viele Menschen sehen, teils zu Recht, teils zu Unrecht, die EU als Treiber der Globalisierung, als Treiber der Digitalisierung und als Treiber eines zunehmenden ökonomischen Drucks innerhalb der Gesellschaft.

Die EU greift also das Gefühl von Geborgenheit, von Heimat an und kann dabei selber keinen Ersatz bieten. Dafür fehlt sowohl der materielle als auch die personelle Basis. Es fällt wohl den meisten Menschen schwer sich mit der EU-Kommission oder Jose Manuel Barroso zu identifizieren. Außerdem ist für die Identifikation wichtig, dass man selber daran beteiligt war, dass man selber dazu beigetragen hat. Doch Europa wurde in den letzten Jahrzehnten oft nur als rein ökonomischer Projekt von vielen betrachtet. Es ist dabei auch nicht verwunderlich, dass gerade in den Euro, also einer gemeinsamen Währung auch immer die Hoffnung einer stärkeren gemeinsamen Identität mitschwang. Und am Aufbau des Projektes Europa waren oft nur Politikerinnen und Politiker beteiligt. Es wurde leider im Laufe der Zeit vergessen auch die Bürgerinnen und Bürger in dieses Projekt einzubeziehen.

Dabei wäre jetzt ein guter Zeitpunkt der Wende. Europa wurde auf den Erfahrungen des 2. Weltkrieges aufgebaut. Hier wird die EU nun Opfer ihres eigenen Erfolges. Meine Generation und auch ich persönlich, kann mir einen Krieg unter europäischen Ländern einfach nicht mehr vorstellen. Für mich klingt das eher nach Science Fiction als nach einem realistischen Szenario. Da kann ich mir die Geschichte Europas auch noch so oft vor Augen führen. Historische Erfahrungen und vor allem die damit verbundenen emotionalen Erfahrungen verblassen immer weiter.

Wenn wir in Europa den rechtspopulistischen Parteien wirklich Paroli bieten wollen dann müssen wir den Menschen in Europa wieder eine neue Heimat bieten. Was erst einmal so leicht klingt ist allerdings sehr schwierig umzusetzen. Doch zwei wichtige Schritte sind für diese Entwicklung unerlässlich: Europa darf kein rein ökonomisches Projekt mehr sein und Europa muss zum erfahrbaren Projekt der Bürgerinnen und Bürger werden. Nur so lassen sich nicht nur die Symptome sondern auch die Ursachen für das Aufkommen der rechtspopulistischen Parteien in Europa bekämpfen.